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Die Unfallregulierung:


Die Polizei sollte durch den Geschädigten bei Verkehrsunfällen zur Tatsachenfeststellung in der Regel eingeschaltet werden. Aussagen zu Schuldfragen sollten Sie als Beteiligter in der Regel am Unfallort nicht treffen. Ebenso wenig sollte eine Bestrafung am Unfallort akzeptiert werden, wenn das nicht nach den Umständen des Einzelfalles sachgerecht erscheint. Sichern Sie Beweise, vor allem Namen und Anschriften möglicher Zeugen, auch wenn Ihnen die Schuldfrage zunächst klar erscheint. Schuldanerkenntnisse vor Ort sollten unterbleiben. Soweit durch einen Unfall Personenschaden entstanden ist, ergibt sich die Frage, ob der Geschädigte Strafanzeige stellt. Vorteile haben die Geschädigten für die Schadenregulierung dabei kaum, es sei denn durch Ihre Strafanzeige werden weitere Beweismittel gesichert. Im Übrigen besteht innerhalb von 3 Monaten nach einem Verkehrsunfall die Möglichkeit, Strafanzeige gegen den Verursacher zu stellen. Soweit Verletzungen entstanden sind, sollten Sie den Arzt unverzüglich aufsuchen. Feststellungen zu etwaigen Verletzungen unmittelbar nach dem Unfall sind zumindest bei der Bemessung des Schmerzensgeldes vorteilhaft. Versuchen Sie möglichst unmittelbar nach dem Unfall Rat des spezialisierten Anwalts einzuholen.


Gängige Praxis ist es vielfach, dass sich Geschädigte nach dem Unfall einer Unfallschadenhotline der Versicherer anvertrauen. Berücksichtigen Sie dabei bitte immer, dass nur der von Ihnen gewählte Rechtsanwalt der ausschließliche Vertreter Ihrer Interessen sein kann. Sie sollten sich die Beratung durch einen Anwalt, auch bei scheinbar klarer Haftungslage nicht ausreden lassen. Der Rechtsanwalt wird eine sachgerechte Abrechnung aller Schadenpositionen vornehmen. Er kann bereits im Beratungsgespräch auf die verschiedenen Möglichkeiten der Schadensabrechnung gegenüber dem Haftpflichtversicherer des Unfallgegners hinweisen (beispielsweise Reparaturkostenabrechnung laut Gutachten). Es entstehen eine Reihe Fragen (beispielsweise bei der Inanspruchnahme eines Mietwagens), die in der Regel eines Beratungsgespräches bedürfen, um Probleme mit dem Haftpflichtversicherer von vornherein zu vermeiden. Bei unangemessen hohen Mietwagenkosten kann der Haftpflichtversicherer die Verletzung von Schadenminderungspflichten einwenden und die Übernahme eines Teils der Mietwagenkosten zurückweisen. Auch bei kleineren Schäden können Sie einen Rechtsanwalt Ihrer Wahl mit der Regulierung beauftragen. Der gegnerische Haftpflichtversicherer muss bei klarer Haftungslage auch die Rechtsanwaltskosten als Unfallfolgeschaden übernehmen. Selbst wenn Sie nicht Rechtsschutz versichert sind, können Sie einen Rechtsanwalt beauftragen. Kommt es im Ergebnis der Regulierung des Schadens allerdings zu einer Haftungsquote, hat der Haftpflichtversicherer lediglich die anteiligen Rechtsanwaltskosten zu tragen.
Gängige Praxis vieler Haftpflichtversicherer ist es, nur zu zahlen, was gefordert wird. Mit der Bezifferung sämtlicher Schadenersatzansprüche sind Geschädigte nicht selten überfordert oder sie verlangen nur einen Teil des ihnen zustehenden Schadenersatzes. Der Anwalt kann bereits auf die verschiedenen Möglichkeiten der Abrechnung eines Schadens gegenüber dem Versicherer hinweisen.
Haftpflichtversicherer orientieren sich in letzter Zeit darauf, die Geschädigten nach einem Unfall sofort in ein eigenes speziell dafür eingerichtetes Schadenmanagement einzubinden. Es dient regelmäßig dem Ziel, Geschädigte von der Regulierung durch Anwälte fernzuhalten, wohl wissend, dass der Anwalt ausschließich Interessenvertreter des Geschädigten ist, der seine Rechte in dem vom Gesetzgeber vorgesehenen Umfang wahrzunehmen. Ergebnis ist nicht selten, dass der Unfallgeschädigte in seinen Rechten beschnitten wird.


Beachten Sie bitte bei Ihrer Entscheidung, dass nur der Anwalt Ihr ausschließlicher Interessenvertreter ist!

 

Soweit Sie selbst nach einem Verkehrsunfall als Verursacher in Betracht kommen und ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft (z.B. wegen fahrlässiger Körperverletzung ) nicht auszuschließen ist, sollten Sie unverzüglich den Anwalt aufsuchen. Oftmals lassen sich mit einem entsprechenden Konzept strafrechtliche Folgen zumindest mildern.

 

 

Ermittlungsverfahren wegen Unfallverursachung oder anderer Straftatbestände:

Nach einem Verkehrsunfall wird unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Personenschaden) ein strafrechtlicher Ermittlungsverfahren gegen Fahrzeugführer eingeleitet. In der Regel wird durch die jeweilige Polizeidienststelle das Verfahren mit einer Anhörung als Beschuldigter eingeleitet. Erhalten Sie eine Ladung zur Beschuldigtenvernehmung, empfiehlt es sich, sofort einen Rechtsanwalt zu konsultieren. Dazu wird angeraten, die jeweilige Ladung der Polizei genau zu lesen. Mitunter soll lediglich die Vernehmung als Zeuge erfolgen. Sie haben als Beschuldigter im Ermittlungsverfahren immer ein Aussagenverweigerungsrecht zum Sachverhalt. Treffen Sie dennoch Aussagen, können diese gegen Sie verwendet werden. Soweit Sie einen Rechtsanwalt mit der Verteidigung bzw. mit der Sachverhaltsklärung beauftragen, wird sich dieser in der Regel zunächst bei der zuständigen Ermittlungsbehörde anzeigen, Akteneinsicht beantragen und danach weitere Schritte mit Ihnen abstimmen. Diese Vorgehensweise ist aus anwaltlicher Sicht sachgerecht und für Sie regelmäßig nicht nachteilig.


Einige Worte zum Verhalten bei Polizeikontrollen

Bei Alkoholkontrollen ist die Polizei, soweit Verdacht auf eine Tat nach § 316 StGB besteht, berechtigt, Alkoholkontrollen anzuordnen und eine Blutentnahme auf der Grundlage von § 81a StPO zu erzwingen, d.h. erforderlichenfalls ohne Einwilligung des Beschuldigten zu erzwingen. In der Regel werden Polizeibeamte bei Alkoholkontrollen die Durchführung eines Atem-Alkoholtests anbieten. Verweigern Sie diesen, ist die Anordnung einer Blutprobe so gut wie sicher. Sie müssen jedoch keine Angabe zur Alkoholmenge, zu den Umständen des Alkoholgenusses oder zu den Tatumständen machen. Selbst zur aktiven Mitwirkung bei ärztlichen Untersuchungen sind Sie nicht verpflichtet. Sie brauchen also weder Fragen beantworten, noch müssen Sie bei Tests aktiv mitwirken.